Heute starten wir mit unserer losen Serie über die Aspekte der Digitalisierung mit der ersten Folge zum Thema: Freifunk, der demokratische Zugang.

Das Recht, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu informieren, wird Rezipientenfreiheit genannt. Sie wird im Zusammenhang von Gesetzen zur Informationsfreiheit geregelt und zählt in Deutschland zu den Grundrechten. Im Grundgesetz findet sich dieses Recht im Artikel 5 ausgeführt.

Als „allgemein zugänglich“ werden dabei solche Informationsquellen verstanden, die technisch geeignet und bestimmt sind, der Allgemeinheit Informationen zu verschaffen. Wikipedia führt weiter aus, daß die Rezipientenfreiheit ein klassisches Abwehrrecht gegen den Staat ist, der die Information der Bürger weder lenken, noch behindern und auch nicht registrieren darf.

Es gibt allerdings auch Einschränkungen. Ein Beispiel ist der Jugendschutz in Deutschland, durch den bestimmte Medien Jugendlichen unter 18 Jahren nicht zugänglich gemacht werden dürfen; ebenso das Bankgeheimnis.

  1. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
  2. Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
  3. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Artikel 5

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Soweit so gut und was hat das jetzt mit Freifunk zu tun?

In den letzten Jahren entstand gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt eine Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, »freie Netze« aufzubauen. In Anknüpfung an die Ideen hinter Freenets, Bürgernetzen und digitalen Städten geht es darum, dass Bürgerinnen und Bürger die Vernetzung selbst in die Hände nehmen. Eigene Kommunikationsstrukturen sollen aufgebaut werden, die möglichst frei von privatwirtschaftlichen Zwängen sind. Zu diesem Zweck wird vorzugsweise die Technologie der Wireless Local Area Networks (WLAN) verwendet. Die drahtlose Netztechnologie ermöglicht es, direkte Verbindungen zwischen Nutzern aufzubauen, ohne auf die Infrastrukturen von Telekom und anderen kommerziellen Internet-Service-Providern zurückzugreifen. WLAN wird derzeit auch von der Industrie heftig beworben und immer mehr so genannte Hotspots entstehen – Zonen im öffentlichen Raum, wo man sich drahtlos mit einem Funknetzknoten verbinden und über diesen ins Internet gelangen kann.

Doch der Bewegung für freie Netze geht es um mehr als die Errichtung einzelner WLAN-Hotspots. Die Hotspots sollen miteinander verbunden werden, so dass aus vielen kleinen Funkzellen größere Maschennetze entstehen. Man kann sich diese als eine zusammenhängende Datenwolke vorstellen, die z. B. einen ganzen Stadtteil abdeckt. Innerhalb dieser Datenwolke ist die Kommunikation mit großer Bandbreite möglich.

Da keine kommerziellen Netze benutzt werden, fallen außer den Investitionskosten und dem Arbeitsaufwand für Wartung und Betrieb keine weiteren Kosten mehr an. Der Aufbau und Betrieb dieser Netze wird gemeinschaftlich organisiert.

Die WLAN-Bürgernetze sind jedoch nicht völlig vom Internet abgetrennt. Teilnehmer, die über einen breitbandigen Internetzugang verfügen, ermöglichen es anderen, diesen mitzubenutzen. Die Benutzung muss nicht immer frei im Sinne von gratis sein. Anfallende Kosten werden häufig wie bei einer Netzgenossenschaft oder -kooperative geteilt. Durch das Teilen der Ressource Internet wird jedoch auch der Internetzugang für alle Beteiligten billiger. Dieser Ansatz ist technologieneutral.

»Free Networks« (freie Netze) verweist zugleich auf die Analogie zu »Free Software«. Immer mehr Software wird heute offen und jedermann zugänglich erstellt, so dass sie als Gemeingut genutzt werden kann (z.B. Firefox von Mozilla). Ähnlich wie freie Software entstehen freie Netze durch die kooperativen Handlungen vieler einzelner Akteure. Dabei ist der Aspekt der persönlichen Freiheit ausschlaggebend und nicht, dass etwas gratis angeboten wird.

Die Bewegung freier Netze existiert jedoch nicht nur in großen Städten. Gerade auch in kleinen Städten und auf dem Land, wo es oft schwierig ist, eine gute Internetverbindung zu bekommen, bietet sich das Modell als Lösung an.

Warum wird Freifunk gebraucht?

Der Zugang zu Informationen und die Möglichkeit, diese selbst zu verbreiten, ist zum elementaren Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Sich Informationen beschaffen und bearbeiten zu können, gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen einer funktionierenden Demokratie. Dadurch, dass das Internet und alles, was damit zusammenhängt, von der Politik lange Zeit nicht als wichtig eingestuft wurde, ist die elektronische Kommunikation heute in wesentlichen Teilen der demokratischen Kontrolle entzogen und liegt in den Händen weniger, großer Telekommunikationskonzerne. Freifunk stellt sich demgegenüber als Alternative auf. Eine Alternative, die für jeden frei zugänglich ist, die für den Endbenutzer kostenfrei ist und die auch dann noch besteht, wenn andere Konzerne möglicherweise pleitegehen. Darum geht es, um nicht mehr und nicht weniger: dass alle Menschen an der Gemeinschaft teilhaben können.

Wie funktioniert Freifunk?

Freifunk wird im Rheingau-Taunus von einer Gruppe von Freiwilligen in Gemeinschaftsarbeit gepflegt. Die Freifunk-Community, sorgt dafür, dass auch hinter den Knoten alles funktioniert, pflegt und erweitert die Software für die Knoten, stellt Freifunk auf öffentlichen Veranstaltungen vor, organisiert den Ausbau des Netzes. An der technischen Arbeit kann man sich beteiligen, muss man aber nicht.

Technisch gesehen, bauen die Freifunk-Knoten ein Netzwerk (Mesh) untereinander auf. Dazu müssen sich mindestens zwei Knoten gegenseitig empfangen. Wie weit die Knoten senden und in welchem Umkreis sie andere Knoten empfangen können, hängt vom Typ des Routers und den verwendeten Antennen ab. Damit sich Freifunk-Knoten aber auch über größere Entfernungen hinweg empfangen können, kann man die Router hierfür über eine gesicherte Internet-Verbindung (Tunnel) verknüpfen. Dadurch können sich auch weit entfernt liegende Freifunk-Netzwerke miteinander verbinden.

 

Wie kann ich mitmachen?

Die Unabhängige Liste hat im Sommer 2018 ein Projekt gestartet, um Idstein und vor allem die elf Stadtteile mit Freifunk zu versorgen. Informationsveranstaltungen fanden bislang in Eschenhahn, Nieder-Oberrod und demnächst in Heftrich statt.

Um dabei zu sein, brauchen Sie nichts weiter als einen Router, den Sie bei sich zu Hause oder im Geschäft aufstellen und mit dem Internet verbinden. Vorher muss dieser Router aber noch mit einer speziellen Software bespielt werden. Das kann man selbst tun (Anleitung), oder Sie melden sich bei uns und wir erledigen das für Sie oder Sie beziehen den Router gegen einen Obolus (35€-50€) fix und fertig von uns. Welche Router sich dafür eignen, können Sie hier Welchen Router kaufe ich? nachlesen.

Falls die technischen Voraussetzungen in Ihrem Ortsteil unzureichend sind, dann setzen wir uns gerne mit Ihnen zusammen und unterstützen Sie in Ihren Überlegungen, welche Optionen noch möglich sind.

Übersicht über die Freifunk-Knoten in Mainz, Wiesbaden und Idsteiner Land.

Quellen:
Freie Netze – Geschichte, Politik und Kultur offener WLAN-Netze S. 7-9
freifunk-aachen.de/freifunk-basiswissen
Freifunk Rheingau-Taunus
Wikipedia

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