„Einkaufsmärkte haben auch eine soziale Funktion“

 

ULI denkt SPD-Vorschlag zur Versorgungsinfrastruktur in größerem Stil weiter, auch für die Ortsteile

von | 24.11.20 | 0 Kommentare

Die SPD hat kürzlich den öffentlichen Vorschlag unterbreitet, im Taunusviertel der Idsteiner Kernstadt einen sogenannten teo-Markt (Firma tegut) bauen zu lassen, um für die zahlreichen dort wohnenden Menschen zumindest die Versorgung mit Produkten des täglichen Lebens in fußläufiger Nähe sicherzustellen.

Als solchen begrüßt die Unabhängige Liste (ULI) diesen Vorschlag sehr. Die ULI hält es – nicht nur hinsichtlich des Taunusviertels – für einen Fehler, dass bei der Planung neuer Wohngebiete nicht von vornherein infrastrukturell über die reine Funktion „Wohnen“ hinausgedacht und -geplant worden ist, um u.a. eine Vor-Ort-Grundversorgung zu ermöglichen.

Was jedoch bei dem sehr konkreten, dabei aber aus Sicht der ULI zwangsläufig zu kleinteiligen Vorschlag der SPD auffällt: Er versucht mit einer punktuellen Kernstadt-Lösung ein Problem zu heilen, das aber in vergleichbarer Form andernorts, vor allem auch in allen Ortsteilen (außer Wörsdorf) ebenfalls gegeben ist.

„Sollten wir von den Idsteinern im kommenden März in die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden, werden wir uns dafür einsetzen, für alle Menschen unserer Gemeinde eine Infrastruktur für Vor-Ort-Versorgung zu schaffen, mit besonderem Augenmerk für die Ortsteile, in denen es noch nicht einmal mehr einen Tante-Emma-Laden gibt,“ betont Marc Eisele von der ULI, der als Heftricher weiß, von was er spricht. „Dabei werden wir nach Lösungen suchen, die für alle Menschen nutzbar sind und auch den zweiten ganz wichtigen Aspekt eines Marktes nicht vernachlässigen: das Soziale, die Begegnung der Menschen im nachbarschaftlichen Gespräch miteinander.“

Ein Markt ist traditionell auch eine Begegnungsstätte, ein Ort, an dem man die Nachbarin trifft, sich mit dem anderen austauscht und ein Gefühl des Miteinanders entwickeln kann. Die ULI bedauert, dass die SPD für ihren grundsätzlich positiv zu bewertenden Vorschlag ausgerechnet eine Marktform vorschlägt, die all jene ausschließen wird, die noch nicht alle Lebensbereiche ins Digitale verlagern wollen oder können.

Der Zugang zu einem der von der SPD gewünschten teo-Märkte ist nur mit einer digitalen Kundenkarte oder einer Smartphone-App möglich. Auch der Bezahlvorgang kann ausschließlich mit unbaren Mitteln durchgeführt werden. Dem Kind, das sich ein Eis oder Schokolade kaufen will, aber nicht über digitale Zahlungsmittel verfügt, bleibt dieser Markt also verschlossen. Vielen Älteren womöglich auch – und diejenigen, die hineinkommen, werden keine persönliche Ansprache erleben, da die kleinen teo-Märkte ohne Verkaufs- und Kassenpersonal auskommen.

Die ULI regt daher an, den grundsätzlichen Vorschlag der verbesserten Versorgungsstruktur größer zu konzeptionieren, so dass die Ortsteile und tatsächlich alle Menschen, die in Idstein wohnen, daran prinzipiell teilhaben können. „So kommen wir weg davon, Politik als Instrumentarium für Sachfragen zu verstehen, sondern stellen den Menschen als Sozialwesen wieder in den Mittelpunkt guter Lösungen für möglichst viele in unserer diversen Gesellschaft,“ fasst Ursula Oestreich, Vorsitzende der ULI, zusammen.

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