Frank Kilian wurde am 05. Februar 2017 zum neuen Landrat gewählt – bei zwar leider geringer Wahlbeteiligung, aber absoluter Mehrheit und knapp 22 Prozentpunkten vor dem zweitplatzierten Mitbewerber. Die Stichwahl, die viele erwartet hatten, ist somit nicht notwendig geworden.

ULI:
Herr Kilian, zunächst auch noch einmal an dieser Stelle die Gratulation der ULI zu Ihrer Wahl zum Landrat.
Sie werden nun also am 5. Juli oberster Verwaltungsbeamter des Kreises. Sie werden die Sitzungen des Kreistages leiten und dessen Beschlüsse ausführen, sind aber selbst nicht stimmberechtigt im politischen, willensbildenden Organ des Kreistages.
Dennoch konnte man streckenweise den Eindruck gewinnen, der Landratswahlkampf sei von einigen Parteipolitikern und Gruppierungen zur Eröffnung des politischen Wahlkampfes 2017 genutzt worden.

Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund die überzeugend solide Stimmenmehrheit ein, die Sie als einzig Parteiloser unter den drei Landratskandidaten schließlich auf sich vereinen konnten?

Frank Kilian:

Ich bin überzeugt, dass unterschiedliche Faktoren die Wählerinnen und Wähler bewogen haben, mir ihre Stimme zu geben. Das sind die Parteilosigkeit, meine praktische Erfahrung als Bürgermeister, für manche sicherlich mein persönliches Auftreten, für andere die Themen, die ich besetzt habe. In zahlreichen Gesprächen durfte ich feststellen, dass meine Amtsführung als Bürgermeister der Stadt Geisenheim positiv bewertet wird und auch meine frühere Tätigkeit im Finanzbereich der Kommune vielen in guter Erinnerung geblieben ist.

Die Wahlbeteiligung war höher, als Fachleute befürchtet haben, aber trotzdem aus meiner Sicht erschreckend niedrig. Auch hier gilt es, Ursachenforschung zu betreiben. Einen wesentlichen Grund sehe ich darin, dass viele Bürgerinnen und Bürger gar nicht wissen, welche Aufgaben der Landrat hat; sie haben keinen Bezug zu diesem Amt oder dem Amtsinhaber. Ich möchte während meiner Amtszeit versuchen, ein bürgernaher Landrat zu sein, um zum einen Themen zu den Menschen zu transportieren, die davon betroffen sind; zum anderen aber auch, der Amtsperson des Landrats ein Gesicht zu verleihen.

ULI:
Sie hätten den womöglich weniger schweren Weg wählen und in eine der großen etablierten Parteien eintreten können, um entsprechende Unterstützung seitens der Politik einzuwerben. Als parteiloser Kandidat haben Sie sich Ihre Unabhängigkeit bewahrt, mußten aber Kärrnerarbeit leisten, um die Unterstützung durch Wählergemeinschaften und Parteien argumentativ zu einzuwerben.

Warum sind Sie dennoch diesen Weg gegangen?

Kilian:

Bereits im Jahr 2009 habe ich als Parteiloser für das Amt des Bürgermeisters in Geisenheim kandidiert und bei damals vier Bewerbern im ersten Wahlgang mit 67% eine große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für mich gewonnen. Dass es in den folgenden Jahren gelang, mit Sachargumenten thematisch zu überzeugen, die Gremien damit hinter mich zu bringen und mit ihnen vertrauensvoll und erfolgreich zusammenzuarbeiten, wurde dadurch bewiesen, dass ich 2016 ohne Gegenkandidat mit 86% wiedergewählt worden bin. Dies bestätigte mich in meiner Auffassung, parteilos zu bleiben. Ich konnte im Rahmen meiner Landratskandidatur auf die Erfahrungen in Geisenheim verweisen und damit offensichtlich Parteien und Wählergruppen überzeugen.

Ich bin es gewohnt, mir bei den Sachthemen – mit Unterstützung einer guten Verwaltung – unabhängig und vorurteilsfrei eine eigene Meinung zu bilden und diese in die Diskussion mit den Gremien einzubringen. Ich möchte dies auch künftig tun und freue mich, dass ich im Kreishaus ebenfalls auf eine gute Verwaltung bauen kann.

ULI:
In  Geisenheim, wo Sie als parteiloser Bürgermeister im März 2016 in Ihre zweite Amtsperiode gewählt worden waren, konnte man erleben, daß Sie ein Mensch sind, der keine parteipolitischen Berührungsängste hat und sachorientiert Allianzen sucht, um das bestmögliche Ergebnis für die jeweilige Frage- oder Problemstellung zu finden.

Auf der Wahlparty in Ihrer Heimatstadt Geisenheim sagten Sie Ihren Anhängern, die Sie sicherlich mit einer Träne im Knopfloch in den Kreis ziehen sehen: „Ich bin ja nicht weg, ich bin nur woanders.“

Inwieweit erwarten Sie, daß sich dieser nüchterne Pragmatismus auch auf Kreisebene fortsetzen läßt?
Und an welchen Stellen stellen Sie sich auf Hürden oder Widerstände ein, die sich womöglich aus der Tatsache ergeben, daß neben den Kreisbelangen aller auch die jeweiligen kommunalen Belange der einzelnen Gemeinden im Hintergrund „mitschwingen“?

Kilian:

An meine neue Aufgabe gehe ich optimistisch, aber nicht blauäugig heran.
Natürlich wird es Hürden geben, sei es, weil es bei einzelnen Themen unterschiedliche politische Strömungen gibt, sei es, weil es auf die Ebenen bezogen unterschiedliche Interessen gibt. Letztendlich müssen die Vorlagen, die ich einbringe, inhaltlich fundiert, rechtskonform und finanziell abgesichert sein. Dann wird man sie objektiv schwer ablehnen können.

Dort, wo politische oder ideologische Beschlüsse gefasst werden, bin ich in der Lage, sie professionell umzusetzen, auch wenn sie nicht meiner Überzeugung entsprechen. Das ist Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Von Unabhängigen zu Unabhängigem dankt die ULI dem designierten Landrat Frank Kilian für diese Stellungnahmen
und das zu erwartenden Engagement zum Wohle und der (weiteren) Steigerung der Lebensqualität aller im RTK.

ULI dankt der Waas.schen Fabrik Geisenheim für die Erlaubnis, die Fotos zwei und drei auf dieser Seite zu verwenden. Das Copyright verbleibt bei der Waas.schen Fabrik Geisenheim.

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