Unterschriftenaktion

Für alle Interessierten, die gerne an der Unterschriftenaktion des Aktionsbündnisses „Idstein wahrt sein Gesicht“ teilnehmen möchten, besteht die Möglichkeit in folgenden Geschäften der Altstadt ihre Unterschrift abzugeben:

Hexen-Reinigung
Am Hexenturm 3

Friseur-Salon Markus Pollak
Schulgasse 2
gegenüber vom Felsenkeller

BeautyCenter am Hexenturm
Am Hexenturm 1
Eingang links neben Rialto-Eisgeschäft

Hotel Restaurant Felsenkeller
Schulgasse 1

Buch- und Papierhandlung Schneider
Limburger Str. 9
gegenüber vom Fresenius-Hauptgebäude

am unteren Eingang der Kreuzahlen
(nur bei schönem Wetter)

Demonstrativer Spaziergang

Wir von der ULI laden gemeinsam mit FWG, Bündnis90/Die Grünen und FDP alle interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger zum demonstrativen Spaziergang ein.

Besuchen Sie mit uns die entscheidenden (Blick)Punkte und gewinnen Sie selbst ein Bild von der geplanten Änderung des Bebauungsplans.

Am 5. Mai 2017 um 17.00 Uhr

Treffpunkt Oberes Parkdeck
am Hexenturm

Auf ein Wort … Frau Hartmann-Menz, Historikerin (Teil 3)

Ruth Pappenheimer

geboren am 8. November 1925 Frankfurt/Main
ermordet am 23. Oktober 1944 Kalmenhof (Idstein)

Ruth Pappenheimer wurde durch zwei im Abstand von mehreren Stunden verabreichten Morphiumspritzen planvoll getötet.

Am 23. Oktober 1944 fertigt das Standesamt Idstein eine Sterbeurkunde für die am 8. November 1925 in Frankfurt am Main geborene Ruth Pappenheimer aus. Verantwortlich für die darin enthaltenen, unrichtigen Angaben zeichnet der seit Mai 1944 im Idsteiner Kalmenhof als Anstaltsarzt beschäftigte Mörder der jungen Frau, Hermann Wesse. Das Dokument weist als Todesursache des „Anstaltspfleglings unbekannter Eltern“, der um 10.00 Uhr morgens verstorben sei, „Bronchopneumonie, Herz- und Kreislaufschwäche“ aus. Bewusst falsche Angaben zur Todesursache entsprachen gängiger Praxis bei den vielen hundert in der „Kinderfachabteilung“ des Idsteiner Kalmenhofs Ermordeten.

Lesen Sie weiter: Gedenkort – T4

Lesen mehr bei: Wikipedia – Ruth Pappenheimer

Nach dem ersten Teil und dem zweiten Teil unserer Gesprächsrunde mit Martina Hartmann-Menz, folgt nun der dritte Teil.

ULI: Was erhoffen Sie sich von der Stadt Idstein?

Hartmann-Menz: Die Gremien der Stadt Idstein haben einstimmig die Ortung der Gräberfelder auf dem Kalmenhof eingefordert. Dies ist ein erster guter Schritt. Dennoch bedarf es, wie vielerorts, auch in Idstein der großräumigen Aufarbeitung der NS-Geschichte von kommunaler Seite. Diese ist in Idstein eng mit der Geschichte des Kalmenhofes verzahnt. In Idstein, wie überall dort, wo eine Tötungseinrichtung der NS-Zeit eingerichtet worden war, gibt es ein „Innen“ und ein „Außen“. Es gibt Bedingtheiten und Wechselseitigkeiten – sowohl in der Zeit von 1933 und 1945 wie auch in den nachfolgenden Jahren der Aufarbeitung – oder eben Nicht-Aufarbeitung. Sich diesem Komplex und den damit verbundenen Fragestellungen zu öffnen, ist ein Prozess. Zuweilen sind es Debatten wie die um den geplanten Verkauf des Krankenhauses auf dem Kalmenhof, die Impulse für eine Aufarbeitung der NS-Zeit setzen. Ähnliches habe ich im Landkreis Limburg-Weilburg erlebt, wo die ab 2011 geführte Debatte um die NS-Involvierung des ehemaligen Landrates Heinz Wolf zu einem öffentlichen Nachdenken über die NS-Zeit geführt hat.

ULI: Wo sehen Sie den Idsteiner Kalmenhof in 10 Jahren?

Hartmann-Menz: Die rechtsverbindlichen Vorgaben des Gräbergesetzes sind bis dahin vollinhaltlich umgesetzt. Das großräumig geortete Gräberfeldes wird so gestaltet, dass die Namen aller Opfer genannt werden. Im dann sanierten ehemaligen Krankenhaus ist eine Institution untergebracht, die dem Gedenken ausreichend Raum lässt. Die Dauerausstellung aus dem Verwaltungsgebäude ist nach dem dann vorliegenden Forschungsstand überarbeitet und jederzeit zugänglich. Biografien der Opfer können durch eine App mit Bild und Ton abgerufen werden. Die gesamte Anlage wird in jeder Hinsicht barrierefrei gestaltet. Es  erfolgt eine kontinuierliche Aufarbeitung der Geschichte, die auch die Zeit der „schwarzen Pädagogik“ berücksichtigt.

 

Wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch, Frau Hartmann-Menz.

Martina Hartmann-Menz M.A.

Studium der Geschichte, Germanistik und Anglistik in Frankfurt/Main
Abschluss in englischer Wissenschaftsgeschichte
Lehrerin an der Fürst-Johann-Ludwig und der Glasfachschule Hadamar

Berufenes Mitglied der Historischen Kommission für Nassau
Mitarbeiterin der Gedenkstätte Hadamar (2004-2011)
Interkulturelle Arbeit in diversen Gremien
Forschungen zur Regionalgeschichte mit den Schwerpunkten  Holocaust, Patientenmord, jüdische Geschichte
Biografische Recherchen zu Frankfurter Opfern des Holocaust mit Schwerpunktsetzung auf sog. „Asoziale“
Wissenschaftliche Beteiligung (2012) bei der posthumen Aberkennung des Ehrenbürgerrechts für den NS-Täter und ehem. Landrat im Landkreis Limburg, Heinz Wolf
Erstellung des Gutachtens (2014) zur Biografie und ideologischen Verankerung des NS-Pädagogen Franz Kade als Diskussionsgrundlage der im Jahr 2015 erfolgten Umbenennung der ehemaligen Franz-Kade-Schule in Idstein Wörsdorf
Mitglied in der von Vitos Eichberg (2016) einberufenen Kalmenhof-Kommission
Mitarbeit in den Stolpersteine-Initiativen Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Hadamar und Bad Camberg
Forschungsprojekte: Opfer des Patientenmordes im erweiterten Landkreis Limburg Weilburg; Elz in der NS-Zeit mit Erstellung der Biografien für die Verlegung von Stolpersteinen im Auftrag der Gemeinde Elz.

Auf ein Wort … Frau Hartmann-Menz, Historikerin (Teil 2)

Nach dem ersten Teil, fahren wir fort mit der nächsten Gesprächsrunde mit Martina Hartmann-Menz.

ULI: Was ist in Idstein zu tun?

Hartmann-Menz: Sinnvoller Weise sollte der Volksbund Kriegsgräberfürsorge der für solche Fragen zuständig ist und die notwendige, langjährige Expertise vorweisen kann, eine weiträumige Ortung des Gräberfeldes übernehmen. Diesen Vorschlag habe ich dem Gremium bereits nach der 1. Sitzung der Kommission im November 2016 unterbreitet und hoffe sehr, dass dieser Vorschlag Zustimmung findet. Es geht um nichts Geringeres als um späte Gerechtigkeit für diejenigen Opfer des NS-Terrors, die lange vergessen und verdrängt waren. In der real existierenden Gedenkhierarchie der Bundesrepublik Deutschland kommt es erst allmählich zu einem Bewusstseinswandel – dies, obwohl die Opfer der sog. „Euthanasie“ mit dem Jahr 1951 per Bundesgesetz auf eine Stufe mit allen anderen Verfolgten oder Opfern des Krieges gestellt wurden. Wie unterschiedlich die Umsetzung in Idstein erfolgt ist, liegt beim Blick auf den Kriegsgräberfriedhof offen zutage.

ULI: Haben Sie Ideen, wie das ehemalige Krankenhaus und die Leichenhalle in ein Konzept des Erinnerns und Gedenkens eingebunden werden könnten?

Hartmann-Menz: Die Verantwortlichen müssten sich auf die Suche nach einem Bildungsträger, einer Stiftung oder einer Institution machen, die im ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus Erinnern ermöglicht und hieraus gesellschaftliche Impulse für eine zukunftsgewandte Arbeit schöpft. Ein Abriss oder eine Nutzung in einem Kontext, der die Historie der Gebäudes außer Acht lässt, hielte ich für ein vollkommen falsches Signal – zumal in der gegenwärtigen politischen Lage. Populisten und Vertreter der äußersten Rechten agitieren offensiv gegen die Gedenkkultur der Bundesrepublik Deutschland. Begrifflichkeiten oder Denkweisen, die in unmittelbarem Bezug zur NS-Zeit stehen, sollen wieder hoffähig gemacht werden. Als Reaktion hierauf gibt es einen starken Zuspruch bei Gedenkveranstaltungen und kulturellen Veranstaltungen mit der Zielrichtung der Aufarbeitung der NS-Zeit. Sollte der Rechtsnachfolger einer Institution, die zehntausendfachen Massenmord geplant, durchgeführt und erst spät aufgearbeitet hat, in dieser hochbrisanten gesellschaftlichen Lage einen Tatort verschwinden lassen?

Martina Hartmann-Menz M.A.

Studium der Geschichte, Germanistik und Anglistik in Frankfurt/Main
Abschluss in englischer Wissenschaftsgeschichte
Lehrerin an der Fürst-Johann-Ludwig und der Glasfachschule Hadamar

Berufenes Mitglied der Historischen Kommission für Nassau
Mitarbeiterin der Gedenkstätte Hadamar (2004-2011)
Interkulturelle Arbeit in diversen Gremien
Forschungen zur Regionalgeschichte mit den Schwerpunkten  Holocaust, Patientenmord, jüdische Geschichte
Biografische Recherchen zu Frankfurter Opfern des Holocaust mit Schwerpunktsetzung auf sog. „Asoziale“
Wissenschaftliche Beteiligung (2012) bei der posthumen Aberkennung des Ehrenbürgerrechts für den NS-Täter und ehem. Landrat im Landkreis Limburg, Heinz Wolf
Erstellung des Gutachtens (2014) zur Biografie und ideologischen Verankerung des NS-Pädagogen Franz Kade als Diskussionsgrundlage der im Jahr 2015 erfolgten Umbenennung der ehemaligen Franz-Kade-Schule in Idstein Wörsdorf
Mitglied in der von Vitos Eichberg (2016) einberufenen Kalmenhof-Kommission
Mitarbeit in den Stolpersteine-Initiativen Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Hadamar und Bad Camberg
Forschungsprojekte: Opfer des Patientenmordes im erweiterten Landkreis Limburg Weilburg; Elz in der NS-Zeit mit Erstellung der Biografien für die Verlegung von Stolpersteinen im Auftrag der Gemeinde Elz.