Der Volkstrauertag, ein lebloses Ritual?

Der Volkstrauertag, ein lebloses Ritual?

Wie in jedem Jahr haben wir von der Unabhängigen Liste auch 2022 den Euthanasieopfern des Kalmenhofes gedacht.

Wir haben uns gefragt, ob und wie es möglich ist, einem so wichtigen Gedenktag wie dem Volkstrauertag einen angemessenen gesellschaftlichen Stellenwert zu geben. Vielen ist der Hintergrund unbekannt, etlichen der Termin nur noch Pflicht.

Seit dem Ende des 2. Weltkrieges ist der Volkstrauertag ein Gedenktag, an dem der im Krieg gefallenen deutschen Soldaten gedacht wird. Seit Ende der 80ziger Jahre hat sich das Gedenken gewandelt und es stehen die Opfer des Nationalsozialismus im Vordergrund. Der Tag ist nicht nur ein Trauertag, sondern soll auch als Zeichen für Frieden und Versöhnung stehen. Um Versöhnung zu erreichen, bedarf es des Wissens über die Dinge, die geschehen sind. Dies gilt insbesondere für die Geschehnisse im Kalmenhof während des Nationalsozialismus.

Nach wie vor gibt es keinen Gedenkort und damit auch Lernort in Idstein, der diesen Namen auch verdient hätte. Keinen Ort, an dem sich interessierte Menschen jeden Alters ein Bild von dem machen können, was in Idstein jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt wurde. Nach 77 Jahren gibt es vor allem Absichtserklärungen und Lippenkenntnisse. Warum nach Hadamar fahren (die nächstgelegene Gedenkstätte), wenn das Grauen vor der eigenen Haustüre liegt?

Was tun mit den wachsenden Zahlen von Menschen mit Migrationshintergrund, multinationalen Schulklassen und verschiedenen Glaubensrichtungen? Wie kann es gelingen, Gedenkkultur und einen nationalen Gedenktag wie den Volkstrauertag näher zu bringen?

Fragen, auf die die Verantwortlichen in der Kommunalpolitik und den zuständigen Organisationen wie Vitos und Landeswohlfahrtsverband schnell Antworten finden müssen, um in Zukunft mehr über Verantwortung als über Schuld zu diskutieren.

Volkstrauertag 13.11.2022

Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Der Gedenktag wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen. Eine Zeremonie im Deutschen Bundestag erinnert an die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen.

Seit der Hinwendung zu allen Opfern von Krieg und Gewalt geraten die Gedenkorte, an denen am Volkstrauertag gedacht wird, immer mehr in einen Widerspruch zu einer zeitgemäßen Erinnerungspolitik, was häufig zu Kontroversen um diese lokalen Gedenkorte und ihre Einbindung am Volkstrauertag führt.

In Idstein-Kern und den Stadtteilen finden Gedenkfeiern zum Volkstrauertag statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zu den Veranstaltungen eingeladen.
Am Sonntag, den 13. November 2022, finden anlässlich des Volkstrauertages in Idstein folgende Gedenkfeiern statt:

Idstein-Kern, 14.00 Uhr, Gedenkfeier mit Kranzniederlegung an der Gedenkstätte auf dem Friedhof;
Idstein-Dasbach, 14.00 Uhr, Kranzniederlegung mit Andacht am Ehrenmal auf dem Friedhof;
Idstein-Ehrenbach, 11.00 Uhr, Kranzniederlegung am Kriegsdenkmal am Backhausplatz;
Idstein-Eschenhahn, 11.00 Uhr, Trauerhalle auf dem Friedhof;
Idstein-Heftrich, 10.00 Uhr, Gottesdienst mit anschließender  Kranzniederlegung am Ehrendenkmal;
Idstein-Kröftel 10.30 Uhr, Kranzniederlegung auf dem Friedhof;
Idstein-Lenzhahn, 12.00 Uhr, Kranzniederlegung auf dem Friedhof;
Idstein-Nieder-Oberrod, 11.00 Uhr, Kranzniederlegung am Ehrenmal in Oberrod;
Idstein-Oberauroff und –Niederauroff, 10.00 Uhr, Kranzniederlegung am Ehrenmal am Dorfbrunnen Oberauroff;
Idstein-Walsdorf, 10.30 Uhr, Kranzniederlegung am Ehrenmal am Friedhof;
Idstein-Wörsdorf, 11.00 Uhr, Kranzniederlegung am Ehrendenkmal vor der Lukaskirche.

Totengedenken

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern,

und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Joachim Gauck

Bundespräsident

Mandatswechsel in der Fraktion der Unabhängigen Liste

Mandatswechsel in der Fraktion der Unabhängigen Liste

Nach 14 Monaten kommunalpolitischen Engagements hat sich Arcangelo Lenz entschieden, seinen Lebensmittelpunkt von Idstein nach Freienfels zu verlagern und verliert dadurch eine der Voraussetzungen zur Ausübung eines politischen Mandats in Idstein.

Wir bedauern seinen Weggang sehr, da wir einen geschätzten Kollegen verlieren. Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute.

Der Heftricher Marc Eisele folgt Arcangelo Lenz nach. Obwohl er die Fraktion von Beginn an eng begleitet hat, wird er die Zeit bis zum Jahreswechsel nutzen, um sich thematisch noch tiefer einzuarbeiten. Aufgrund seiner starken beruflichen Belastung wird uns Marc Eisele leider nicht in einem Ausschuss vertreten, aber trotzdem die Fraktion mit seinen Schwerpunktthemen Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerbeteiligung tatkräftig unterstützen. Darüber hinaus bringt er seine wertvolle Verbindung zu Quartier 4 als kommunalpolitisches Thema ein.

Ursula Oestreich übernimmt den Platz von Arcangeo Lenz im Ausschuss für Jugend, Kultur, Soziales und Sport.

Marc Eisele

Arcangelo Lenz

Endlich Glasfaser …

Endlich Glasfaser …

Optimistisch hatten wir am 04.03.2022 unseren Antrag „Beitritt Gigabitregion FrankfurtRheinMain“ geschrieben. Der Unabhängigen Liste war es wichtig, dass zeitnah ein Umsetzungsvertrag angestrebt wird. Vor allem, um Idstein dauerhaft als Wohn- und Arbeitsort attraktiv zu erhalten, ist es aus unserer Sicht notwendig, alle Idsteiner Stadtteile und deren Haushalte (FTTH) flächendeckend mit glasfaserbasierten, gigabitfähigen Anschlüssen und garantieren Hochgeschwindigkeits-Internetzugängen zu versorgen. Das ist ohne Kooperationspartner nicht zu realisieren.

Wir wussten, dass mit der Gigabitregion FrankfurtRheinMain GmbH, die als eine gemeinnützige Gesellschaft des Regionalverbandes Frankfurt Rhein-Main und weiteren ca. 140 Kommunen in Kooperation mit Unternehmen der Telekommunikationswirtschaft den kosten- und flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeitsinternet vorantreibt, ein solcher Kooperationspartner zur Verfügung steht. Da auf diesem heiß umkämpften Markt noch weitere Anbieter unterwegs sind, wollte die ULI mit dem Änderungsantrag vom 11.05.2022 erreichen, dass die Umsetzung mit einem direkten Partner erfolgen soll.

Nun geschehen in der Politik mitunter schwer nachvollziehbare Entscheidungen, so daß unser Antrag quasi von der Verwaltung „überholt“ wurde und damit erledigt war, bevor er beschlossen werden konnte. Umso mehr freut uns die Pressemitteilung der Stadt Idstein, die unser Ziel bestätigt, einen guten Kooperationspartner gefunden zu haben.

Jetzt sind die Idsteiner:innen gefragt, denn um rentabel arbeiten zu können, müssen sich mindestens 40 Prozent der Hauseigentümer:innen für einen Vertrag mit dem neuen Kooperationspartner GVG Glasfaser bzw. teranet entscheiden.

Stadt will Kooperationsvertrag mit GVG Glasfaser GmbH schließen

Die Internetversorgung in Idstein wird bald auf eine neue Stufe gehoben, denn die Ansprüche an das Internet und die damit verbundenen Datenraten steigen. In Idstein und den Stadtteilen konnte in den vergangenen Jahren Zug um Zug über Ausbauförderprojekte eine Breitbandmindestversorgung sichergestellt werden. Realisiert mit der Deutschen Telekom, entspricht die Versorgung hauptsächlich über das bestehende Hausanschluss-Kupfernetz aber nicht mehr den Erwartungen an eine nachhaltige Breitbandversorgung. Deutlich wird dies vor allem in älteren Ausbaugebieten wie Heftrich oder Walsdorf, die teilweise nur mit Datenraten von 30 bis 50 Mbit/s oder noch darunter liegend versorgt sind.

Nun will die Stadt Idstein einen wichtigen Schritt in die digitale Zukunft gehen: Der Glasfaserausbau soll zügig vorangetrieben werden – für Idstein-Kern und gleichermaßen sämtliche Stadtteile. In Abstimmung mit der Stadt Taunusstein, die das gleiche Interesse verfolgt, haben beide Kommunen ein Interessensbekundungsverfahren durchgeführt und so die unterschiedlichen Vorgehensweisen und Bedingungen der Anbieter auf dem Markt abgeklopft. Auf Basis dieses Verfahrens hat sich jetzt der Magistrat der Stadt Idstein dafür ausgesprochen, eine Kooperation mit der GVG Glasfaser GmbH für den umfassenden Glasfaserausbau einzugehen.

Das Kieler Unternehmen wurde insbesondere deshalb ausgewählt, weil es die in dem Interessenbekundungsverfahren gestellten Anforderungen am besten erfüllt, unter anderem in Fragen des schonenden Umgangs mit der bestehenden Infrastruktur. Im Interessensbekundungsverfahren erreichte die GVG Glasfaser 67 von 100 Punkten, deutlich mehr als die vier Mitbewerber. „Uns war vor allem die umfassende Ausbauzusage für alle Stadtteile von Idstein einschließlich der Gewerbegebiete besonders wichtig“, so Bürgermeister Christian Herfurth. „Das Internet ist heute wichtiger Teil unseres Lebens. Ohne vernünftiges Internet kann niemand im Homeoffice arbeiten und es lässt sich keine Firma gründen. Um als Wohn- und Arbeitsort auch in Zukunft attraktiv zu bleiben, müssen wir diese Infrastruktur jetzt deutlich verbessern.“

Die GVG Glasfaser wird das Glasfasernetz eigenwirtschaftlich betreiben, das heißt ohne öffentliche Fördergelder oder Zuschüsse der Stadt. Die reinen Glasfaseranschlüsse werden bis in die Wohnung bzw. die Gewerbeeinheit verlegt. Für diese Hausanschlüsse fallen für die Eigentümer keine Kosten an – vorausgesetzt es kommt ein Produktvertrag mit der GVG-Marke teranet zustande. In einer Vermarktungsphase vor Baubeginn wird deshalb  das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an dem Zukunftsprojekt abgefragt. Um rentabel arbeiten zu können, müssen sich mindestens 40 Prozent der Hauseigentümer für einen Vertrag  mit der GVG Glasfaser entscheiden. „Noch in diesem Jahr soll die Vorbereitung und Vermarktung in einzelnen Stadtteilen beginnen“, erläutert Bürgermeister Herfurth. Der Magistrat beauftragte deshalb die Idsteiner Stadtverwaltung, den entsprechenden Kooperationsvertrag mit der GVG Glasfaser GmbH auszuhandeln und auf den Weg zu bringen.

Pressemitteilung 22.07.2022 Stadt Idstein

Stadtentwicklung heute und morgen

Unser Stadtrat Joachim Mengden, der auf eine langjährige Planungsexpertise zurückblickt, hat sich Gedanken zum Thema Stadtentwicklung gemacht, die wir gerne weitergeben.

Als soziale, in Gesellschaft lebende Wesen nutzen die Menschen heute die besiedelbaren Flächen für die Landwirtschaft (zur Ernährung), den Wald (fürs Bauen und Heizen), die Freiflächen (für die Erholung) usw., wie auch die Siedlungsflächen (fürs Wohnen, Arbeiten oder Mobilität), ja sogar die Wasserflächen immer umfangreicher, insbesondere aufgrund ihrer wachsenden Zahl und den wachsenden Ansprüchen.

Nicht die Landwirtschaft an sich, die Nutzung des Waldes oder die Siedlungsfläche und deren immer größer werdender Anteil ist das Problem, sondern „wie“ diese Nutzungen realisiert werden und „wofür“. In einer monostrukturierten Landwirtschaft ist der Artenreichtum geringer als in einer biotopreichen Siedlungsfläche, in einem Einfamilienhausgebiet der Versiegelungsgrad pro Kopf höher als in einer urbanen Stadt, das Abfallaufkommen bei verpackten Lebensmitteln in einem Dorf pro Kopf größer als in einer Stadt, in der viele in einem Unverpackt-Laden einkaufen usw. Was ökologisch unverantwortlich ist, definiert sich nicht an der Art der Flächennutzung oder ihrem wachsenden Anteil, sondern an der konkreten Ausführung der Nutzung.

Dass ein Mehr an Einwohnern und Wohnfläche nicht automatisch zu einem Mehr an Energieverbrauch und CO2-Emissionen führt, zeigen auch die Idsteiner Zahlen. Idstein ist seit 2008 um ca. 2700 Einwohner gewachsen, mit einer entsprechenden Zunahme an Wohnfläche. Der (witterungsbereinigte) absolute Energieverbrauch ist in diesem Zeitraum um ca. 30.000 MWh gesunken, die CO2-Emission pro Kopf um etwas mehr als 30 % (von 5,83 t/EW/a auf 4,01 t/EW/a). Auch wenn dies nicht ausreichend ist, macht das Beispiel deutlich, dass eine Zunahme von Einwohnern und Fläche nicht automatisch zu einem energetisch höheren Verbrauch, und damit zu einer Verschärfung des Klimaproblems führt.

Die von den Menschen herbeigeführte Klimaveränderung ist Resultat des immer noch zu hohen CO2-Ausstoßes durch Arbeiten, Verkehr aber auch Wohnen und Bauen. Da die derzeitige Form des Bauens unsere Umwelt negativ beeinflusst, fordern z.B. Architects for Future e.V. ein umfassenden Maßnahmenpaket für ein klima- und sozialverträgliches Bauen.

Neben dem Klimaschutz ist die Sozialverträglichkeit ein weiteres entscheidendes Kriterium, das zu beachten ist, wenn man z.B. Migranten aufnimmt und integriert (denn dafür werden mehr Wohnungen benötigt), oder auch für diejenigen, die in inakzeptablen Wohnverhältnissen leben, gutes Wohnen zu realisieren.

Die dritte Säule einer nachhaltigen (Stadt-)Entwicklung umfasst die wirtschaftlichen Ziele, die dafür sorgen, dass die zukünftigen Generationen nicht auch noch die finanzielle Quittung für überkommenes Planen und Bauen begleichen müssen.

Ziel moderner Siedlungsentwicklung sollte es auch in Idstein sein, eine ausgeglichene CO2-Bilanz herzustellen, indem auf allen Politikfeldern klimaschädliches und sozialunverträgliches sowie unwirtschaftliches Handeln Schritt für Schritt reduziert und ein grundlegender Wandel hin zu einer höheren ökologischen Qualität erreicht wird. In diesem Sinne sollte das Idsteiner Stadtentwicklungskonzept nicht vorrangig an Flächengrößen, sondern an qualitativen Veränderungen gemessen werden. Bei hoher ökologischer Qualität wird auch die beanspruchte Fläche kleiner.

Außerdem gehört auch die Konzeptionierung von Klimaanpassungsmaßnahmen in der Stadtentwicklung dazu, z.B. durch grüne Freiflächen, Baumpflanzungen, Freihalten von Frischluftbahnen, wassersensible Planung, umweltverträgliche Mobilität, Boden- Arten- und Biotopschutzes oder die Katastrophenvorsorge dafür zu sorgen, dass auch wachsende Städte lebens- und liebenswert werden oder bleiben.

Wird die Zukunftsfähigkeit der neu ausgerichteten Stadtentwicklung noch mit innovativen Elementen und moderner Kommunikation und Beteiligung gesichert, geht die Halbwertzeit der Aktualität des Stadtentwicklungskonzepts über die Zeit seiner Erstellung hinaus.

Joachim Mengden

Stadtrat