Kommentar zu den wiederkehrenden Strassenbeiträgen

Christian Herfurth, aktueller Bürgermeister Idsteins, nutzt offenbar das Thema „Wiederkehrende Straßenbeitragssatzung“, um den Wahlkampf um sein aktuelles Amt zu eröffnen. Schließlich sind es nur noch 11 Monate, bis er am 01. September 2019 in seine zweite Amtsperiode gewählt werden möchte.

Das nimmt die ULI zum Anlass, seine aktuellen Ein- und Auslassungen – wie von der Idsteiner Zeitung (IZ) am 11. Oktober kolportiert – zu kommentieren und dabei die Historie „Straßenbeiträge“ einmal kurz Revue passieren zu lassen.

Herfurth wurde am 22. September 2013 ins Bürgermeisteramt gewählt und übernahm die Amtsgeschäfte am 14. Januar 2014. Bevor er zu diesem Zeitpunkt auf Verwaltungsseite die Geschäfte der Stadt Idstein übernahm, war er seit 1998 politisch mit Gestaltungsmacht ausgestattet, als Stadtverordneter für die CDU.

Anders ausgedrückt:
Die wiederkehrenden Straßenbeitragssätze der Stadt Idstein stellte Herfurth nicht vor dem Satzungsbeschluss im Dezember 2013 als Stadtverordneter oder als designierter oberster Verwaltungschef auf den Prüfstand. Er tat dies auch nicht in über vier Jahren seit Übernahme des Bürgermeisteramtes, auch nicht im Zuge der Erstanwendung der Satzung in Niederauroff im Jahre 2017. Nein, erst nach der kommunikativ völlig missratenen Ankündigung der Zahlungsbescheide, die Anfang August 2018 an Immobilieneigentümer in Idstein-Kern versandt wurden und eine Welle von Unmutsbezeugungen und Protesten auslösten, wird das Thema in der öffentlichen Diskussion angefasst.

Hierbei Begriffe wie „Schnellschüsse vermeiden“ zu bemühen, erscheint unangemessen  – vor allem angesichts der Vorgeschichte von über sechs Jahren, in denen Herfurth an Schlüsselstellen in Politik und Verwaltung bereits genügend Gelegenheit gehabt hätte, umsichtig das Thema zu durchdenken. Statt dessen wird, beim ersten – nur durch ungenügende verwaltungsseitige Kommunikation selbstverschuldeten – Aufschrei der demnächst Betroffenen eine angebliche „Dringlichkeit“ einer „Evaluierung“ künstlich herbeigeredet.

Was hier sinnvollerweise evaluiert werden soll, nachdem seit der Beschlussfassung in 2013 gerade mal ein Ortsteil (Niederauroff) überhaupt zur Kasse gebeten wurde, und zwar im Jahre 2017, könnte Herfurth sicherlich beantworten.
Der ULI zumindest erschließt es sich nicht, was hier schon evaluierungsfähig sein mag.

Worüber allerdings tatsächlich höchst dringlich nachgedacht werden muss, ist unstrittig: nämlich darüber, wie die  weiterhin mehr als kritische Haushaltslage Idsteins zunächst einmal konsolidiert werden kann. Die ULI wird mit großem Interesse verfolgen, wie im demnächst zu beratenden Haushalt 2019 die Mehreinnahmen von rund EUR 600.000 jährlich erwirtschaftet werden sollen, die alleine die Verpflichtungen aus der sog. HESSENKASSE fordern.

Unsere dahingehenden Denkanstöße aus dem März 2018.

Da erstaunt es nicht, was Herfurth schon zwischen den Zeilen zum Thema Straßenbeiträge ankündigt: Man will dem Kind im Zweifelsfalle schlicht einen anderen Namen geben. In der in Idstein ja sattsam bekannten uninspirierten „Lösung“ für alle Haushaltsprobleme sollen also einmal mehr die „allgemeinen Steuern und Einnahmen“ bemüht werden – und zwar auch, wie schon so oft, über die Stellschrauben „Grund- und Gewerbesteuer“.

Die Option „Einkommenssteueranteil“ (ESt-Anteil) nennt übrigens verklausuliert auch noch gleich den Grund dafür, daß in Idstein nicht nur Investoren-Bauwut statt sinnvoller und zukunftsfähiger Stadtplanung herrscht: Der ESt-Anteil ist auch der eigentliche Grund für den fehlenden Willen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – denn mit bezahlbarem Wohnraum kommen womöglich BürgerInnen in die Stadt, deren Beitrag zum ESt-Anteil  nicht der gewünscht höchstmögliche ist.

Da stellt sich dem aufmerksam-kritischen Geist schon die Frage, warum ein erhöhter Grundsteuerhebesatz verträglicher als wiederkehrende Straßenbeiträge von ca. 2,5 Cent/qm sein sollte – schlägt ein erhöhter Hebesatz doch mit großer Wahrscheinlichkeit aboslut höher zu Buche? Und warum sollte ein Gewerbetreibender über nochmals erhöhte Gewerbesteuersätze zur Sanierung von Straßen (und Gesamthaushalt) beitragen?

Die ULI stimmt völlig mit der Aussage des Bürgermeisters überein, dass „bei einer zukünftig konsolidierten Haushaltslage“ die wiederkehrenden Straßenbeiträge womöglich auch wieder abgeschafft werden können. Nur: Eine solche Situation ist aktuell nicht gegeben.

Populistisch angehauchtes Wahlkampfgeklingel hingegen ist billig und wenig hilfreich. Die wiederkehrenden Straßenbeiträge sind bis auf weiteres richtig und wichtig. Lassen wir uns nicht davon blenden, dass man sie laut Herfurth auch anders nennen kann.

Zynismus statt Verantwortungsbewußtsein

Wer erinnert sich noch an das Thema „Ultranet“, das Ende März den Veranstaltungsraum der Stadthalle aus allen Nähten platzen ließ?

Man hat lange nichts von diesem Thema gehört. Die Bürgerinitiative, die sich zum Thema unter direkt Betroffenen, den BewohnerInnen des Gänsbergs, formiert hat, agiert leider weitestgehend hinter verschlossenen Türen. Und die Information der Stadt Idstein zu diesem Thema ist äußert dünn bis nicht auffindbar. Der geneigte Leser suche gerne selbst zu diesem Stichwort unter www.idstein.de .

Die Informationen dazu, was Bürgermeister Christian Herfurth und der Magistrat bislang in dieser Angelegenheit unternommen haben, sind zwar kürzlich nochmals zur Veröffentlichung auf der Internetseite der Stadt zugesagt worden. Passiert ist dahingehend jedoch nichts.

Daher hier einige sachliche Tatsachen zum Thema, die die ULI recherchiert hat:

Das Ultranet ist eine Höchstspannungs-Gleichstromübertragungstrasse (HGÜ-Trasse), die die auf bestehenden Wechselstromtrassen aufsitzen soll und in dieser Form die erste ihrer Art sein wird.

Neue Stromtrassen unterliegen gesetzlichen Auflagen hinsichtlich des Mindestabstandes zu Gebäuden und geschlossener Bebauung. Obwohl das Ultranet ein unerprobtes Novum ist, für dessen physikalische, gesundheitliche und sonstigen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt noch keinerlei Werte oder Erfahrungen vorliegen, ist die Ultranet-Trasse von den ansonsten geltenden Mindestabständen befreit.

Die Angabe von belastbaren Schwellenwerten für Wahrnehmungs-, Belästigungs-, Schmerz- und Gefährdungseffekte ist derzeit nicht möglich. Daher empfiehlt die SSK die Durchführung weiterer Forschungsprojekte zur Wahrnehmung vor allem in Form von Humanstudien.

Strahlenschutzkommission (SSK)

Quelle: http://www.ssk.de/SharedDocs/Beratungsergebnisse/2013/HGUE.html

Das Ultranet wird bis auf weiteres nicht den propagierten angeblichen Beitrag zur Energiewende durch Transport von Strom aus Erneuerbaren Energien beitragen. Ganz im Gegenteil wird es bis mindestens 2025 konventionellen Braunkohle-Strom aus Meerbusch im Ruhrgebiet transportieren.

Damit steht es auch nicht zum Zeitpunkt der Abschaltung des letzten Atomkraftwerks in 2022 zur Verfügung, schon gar nicht als Ersatz für das bereits seit letztem Winter abgeschaltete AKW in Philippsburg.

Der Transport des Braunkohlestroms über das (unerprobte) Ultranet soll zwar durch Idstein gehen, in einem geringeren Abstand zur Wohnbebauung in Wörsdorf und auf dem Gänsberg als für (erprobte) Wechselstromtrassen gesetzlich vorgeschrieben. Idstein wird jedoch in keiner Weise selbst hiervon profitieren; dies geschieht erst am HGÜ-Trassenende in Philippsburg (BW) genutzt. Dies steht im krassen Gegensatz zu zukunftsfähiger Produktion von Energie in räumlicher Nähe zu ihrem Verbrauch.

Schließlich hat bei neuen Trassen gemäß Bundesgesetzgebung Erdverkabelung generell Vorrang vor Freileitung, die nur ausnahmsweise zur Anwendung kommen dürfen.

[Jochen] Homann [Chef der Bundesnetzagentur] verteidigt regelmäßig die Entscheidung für Erdkabel, obwohl diese deutliche Mehrkosten in Milliardenhöhe bringen werden. Erdkabel ermöglichten teils direktere Trassenführungen und sparten so Wege. Außerdem werde es mutmaßlich deutlich weniger Proteste und damit langwierige Prozesse geben, argumentiert Homann. „Wir sehen deutlich, dass die Akzeptanz für die Leitungen steigt, seit klar ist, dass diese als Erdkabel realisiert werden“, sagt der Netzagenturchef. Das rechtfertigt aus Sicht der Behörde auch die Mehrkosten: „Ohne Erdkabel würden wir überhaupt nicht voran kommen“, heißt es aus der Netzagentur.

ZEITOnline

vom 7. Mai 2017 , http://www.zeit.de/news/2017-05/07/energie-stromnetzausbau-kommt-in-gang-07115203

Gerade der Punkt „Vorrang Erdverkabelung“ erscheint der ULI bemerkenswert vor dem Hintergrund der Aussagen Bürgermeister Herfurths (CDU) und des Bundestagsdirekt-Kandidaten Klaus-Peter Willsch (CDU) zu diesem Thema. In Gesprächen und schriftlichen Stellungnahmen heben beide hervor, daß die Stadt einen Alternativvorschlag für die Trassenführung der Freileitungen unterbreitet hat. Dieser Vorschlag seitens der Stadt Idstein ist laut BI Ultranet wohl sowieso bei der Bundesnetzagentur nicht fristgerecht eingegangen, so daß mit Berücksichtigung nicht zu rechnen ist.

Zudem stellt die ULI jedoch erstaunt fest, daß die eigentlich vorrangige Erdverkabelung für diejenigen, die hier in der Verantwortlichkeit für Idstein und die Gesundheit ihrer Bewohner und Bewohnerinnen stehen, offenbar überhaupt keine Alternative, geschweige denn eine Forderung gegenüber dem zukünftigen Netzbereiber Amprion und der Bundesnetzagentur zu sein scheint.

 

„Was ist schon eine Million Betroffener bei einer Gesamtbevölkerung von 80 Millionen.“

Klaus-Peter Willsch (CDU), MdB und Bundestagsdirektkandidat 2017 Wahlkreis Rheingau-Taunus-Limburg

zu besorgten Bewohnerinnen und Bewohnern des Idsteiner Gänsberg im Wahlkampfgespräch am 09. September 2017

Bewohner und Bewohnerinnen des Gänsbergs, die Willsch auf einer CDU-Bundeswahlkampfveranstaltung in Idstein am 09. September 2017 darauf hinwiesen, daß entlang der geplanten Ultranet-Trasse immerhin ca. 1 Millionen Bürgerinnen und Bürger ungefragt und vielfach ungewollt einem Feldversuch mit zur Zeit nicht absehbaren Risiken ausgesetzt werden, durften sich von einem gewählten Vertreter der Bürgerinteressen anhören: „Was ist schon eine Million Betroffener bei einer Gesamtbevölkerung von 80 Millionen.“

Ein derartig achselzuckend-lapidares Verständnis des Wählerauftrages bei jemandem, der gerade ausreichend Stimmen in seinem Wahlkreis einsammeln will, um wieder in den Bundestag einzuziehen, empfindet die ULI als mindestens höchst zynisch.

 

Rheinland-Pfalz macht dagegen vor, die man begründete Bürgerbesorgnis mit verantwortlicher Politik in Einklang bringt:

Und wer das ebenso wichtige wie verantwortungsbewußte Vorsorgeprinzip, das Landesministerin Ulrike Höfgen (Bündnis 90/Die Grünen) in der nebenstehenden Pressemitteilung des Rheinland-Pfälzischen Landesministeriums zitiert, als überzogen abtun möchte, sollte spätestens von dem ebenfalls oben genannten Forschungsprogramm des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) eines Besonneneren belehrt werden:
Das BfS steht nun wirklich nicht im Ruch, besonders esoterisch, alarmistisch oder sonstwie abseits reiner Meßwerte, wissenschaftlichen Fakten und belegter Forschungsergebnisse zu stehen; im Gegenteil.

Quelle: https://mueef.rlp.de/de/pressemeldungen/detail/news/detail/News/ultranet-hoefken-unterstuetzt-forderung-der-bi-pro-erdkabel/

Bürgerinfomarkt ULTRANET in IDSTEIN, Stadthalle, 14. September, 19 - 21 Uhr

Nicht nur die über 50% direkt betroffenenen Wörsdorferinnen und Wörsdorfer sowie die auf dem Gänsberg Lebenden sollten dies als wichtigen Termin vermerken, um sich die Argumentation der verschiedenen Seiten anzuhören.

Vor allem könnte dies ein öffentliches Lehrstück darüber werden, wie diejenigen, die durch unser Mandat in die Pflicht gehoben wurden, Schaden von der Stadt und ihren Bewohnern abzuwenden, in realiter agieren und argumentieren, wenn das entsprechende Vorsorgeprinzip der eigenen Stadtbevölkerung dem Privatinteresse eines großen bundesweit agierenden Konzerns gegenübersteht.

Hier und jetzt sind politisches Rückgrat und Engagement zur notwendigen Wahrung der Interessen der Stadtgesellschaft gefragt.

Trägerschaft der Flüchtlingsunterkünfte, eine fallweise Entscheidung?

Kaum ist der Landratswahlkampf herum, in dem das Thema „Zukunft der Flüchtlingsunterkünfte“ zum Wahlkampfthema wurde, ist zumindest der ULI keine Zeitungsberichterstattung oder sonstige Verlautbarung hierzu mehr aufgefallen. Das öffentliche Interesse daran, wie die bislang dezentrale Unterbringung der hier bei uns lebenden Geflüchteten gehandhabt werden wird, besteht jedoch weiter.

Bürgerengagement für das Gemeinwohl setzt ausreichende Bürgerinformation voraus. In diesem Sinne hat die ULI folgende Informationen recherchiert:

Die Handhabung der Trägerschaft der Flüchtlingsunterkünfte ist auch nach der Bürgermeisterdienstversammlung vom 20. Januar 2017 nicht abschließend entschieden.

Der Kreistag hat zwischenzeitlich eine Ausgleichszahlung beschlossen, als Teil des Kreishaushaltes für 2017. Eine Entscheidung darüber, wie die entsprechende Summe auf die Kommunen verteilt wird, ist jedoch noch nicht gefallen.

Der Kreis hat konkrete Vorschläge dazu unterbreitet, welche der bestehenden Flüchtlingsunterkünfte er übernehmen will. Dem steht eine Liste von Unterkünften gegenüber, die die Kommunen explizit benannt haben, um sie nicht in die Trägerschaft des Kreises überführen zu lassen.

Bis auf weiteres darf somit davon ausgegangen werden, daß es entsprechend fallweise Einigungen zwischen dem Kreis und den einzelnen Kommunen geben wird, keine allgemeingültige Lösung. Ein nächster Gesprächstermin für dahingehende Entscheidungen von Kreis und Bürgermeistern ist allerdings noch nicht terminiert worden (Stand: 15. Februar 2017).

 

Hinsichtlich der Idsteiner Unterkünfte war Ende vergangenen Jahres kommuniziert worden, daß womöglich 27 hier lebende Geflüchtete in die Tannenwaldklinik Bad Schwalbach umziehen müßten. Dies sei jedoch lediglich eine Planungsgröße; bisher sei dorthin niemand aus Idstein umgezogen. Die zuständige Idsteiner Behörde hat auf Rückfragen der ULI die Notwendigkeit und den Willen bestätigt, eine optimale Auslastung der Unterkünfte sicherzustellen.

Hierbei werden natürlich auch individuelle Bedürfnisse der Flüchtlinge im Rahmen der allgemeinen Möglichkeiten mit einbezogen“, versicherte Jörg Jansen, Leiter des Amtes für Soziales, Jugend und Sport. „Grundsätzlich sind wir als Stadt Idstein auch weiterhin an einer dezentralen Unterbringung interessiert und wollen, soweit möglich, eine Integration der Flüchtlinge in das städtische Gemeinschaftsleben unterstützen.“

Wie die Situation gehandhabt werden wird, hängt sicherlich auch von der einen großen Unwägbaren ab: der Entwicklung der Flüchtlingssituation im weiteren Verlauf des Jahres.

Damit kann auch der designierte Landrat Frank Kilian keine verläßlichen Aussagen machen, wie er mit der kurz- und mittelfristigen Situation umgehen wird, wenn er Anfang Juli sein Amt antritt. Dies wird ein Stück weit auch vom dann aktuellen Stand und prognostizierten Verlauf der Flüchtlingszahlen und -situation abhängen.

Pauschale des Landes an die Kommunen für Unterbringung und Betreuung:

  • bleibt unverändert bis 2020
  • Höhe: ortsabhängig

Eckpunkte der Vereinbarung zw. Kreis und Kommunen von 2014:

  • ca. 50% der Unterbringung durch Kommunen
  • gemäß Verteilungsschlüssel
  • gg. Pauschale pro Tag und Geflüchtetem (reduziert seit 2017)

Eines hat Kilian der ULI gegenüber aber jetzt schon bestätigt; nämlich daß er Lösungsoptionen nur mit den Kommunen suchen und umsetzen wird, nicht gegen sie.

Die ULI erhofft sich von allen Entscheidungsträgern in Kreis und Kommunen, aber vor auch von den lokalen Medien, daß sie durch ausreichend zeitnahe und umfassende Information der Bürgerinnen und Bürger die Arbeit all jener unterstützt, die im täglichen Engagement die Integration der hier bei uns lebenden Geflüchteten tatkräftig befördern.

Auf ein Wort … Herr Kilian, designierter Landrat des RTK

Frank Kilian wurde am 05. Februar 2017 zum neuen Landrat gewählt – bei zwar leider geringer Wahlbeteiligung, aber absoluter Mehrheit und knapp 22 Prozentpunkten vor dem zweitplatzierten Mitbewerber. Die Stichwahl, die viele erwartet hatten, ist somit nicht notwendig geworden.

ULI:
Herr Kilian, zunächst auch noch einmal an dieser Stelle die Gratulation der ULI zu Ihrer Wahl zum Landrat.
Sie werden nun also am 5. Juli oberster Verwaltungsbeamter des Kreises. Sie werden die Sitzungen des Kreistages leiten und dessen Beschlüsse ausführen, sind aber selbst nicht stimmberechtigt im politischen, willensbildenden Organ des Kreistages.
Dennoch konnte man streckenweise den Eindruck gewinnen, der Landratswahlkampf sei von einigen Parteipolitikern und Gruppierungen zur Eröffnung des politischen Wahlkampfes 2017 genutzt worden.

Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund die überzeugend solide Stimmenmehrheit ein, die Sie als einzig Parteiloser unter den drei Landratskandidaten schließlich auf sich vereinen konnten?

Frank Kilian:

Ich bin überzeugt, dass unterschiedliche Faktoren die Wählerinnen und Wähler bewogen haben, mir ihre Stimme zu geben. Das sind die Parteilosigkeit, meine praktische Erfahrung als Bürgermeister, für manche sicherlich mein persönliches Auftreten, für andere die Themen, die ich besetzt habe. In zahlreichen Gesprächen durfte ich feststellen, dass meine Amtsführung als Bürgermeister der Stadt Geisenheim positiv bewertet wird und auch meine frühere Tätigkeit im Finanzbereich der Kommune vielen in guter Erinnerung geblieben ist.

Die Wahlbeteiligung war höher, als Fachleute befürchtet haben, aber trotzdem aus meiner Sicht erschreckend niedrig. Auch hier gilt es, Ursachenforschung zu betreiben. Einen wesentlichen Grund sehe ich darin, dass viele Bürgerinnen und Bürger gar nicht wissen, welche Aufgaben der Landrat hat; sie haben keinen Bezug zu diesem Amt oder dem Amtsinhaber. Ich möchte während meiner Amtszeit versuchen, ein bürgernaher Landrat zu sein, um zum einen Themen zu den Menschen zu transportieren, die davon betroffen sind; zum anderen aber auch, der Amtsperson des Landrats ein Gesicht zu verleihen.

ULI:
Sie hätten den womöglich weniger schweren Weg wählen und in eine der großen etablierten Parteien eintreten können, um entsprechende Unterstützung seitens der Politik einzuwerben. Als parteiloser Kandidat haben Sie sich Ihre Unabhängigkeit bewahrt, mußten aber Kärrnerarbeit leisten, um die Unterstützung durch Wählergemeinschaften und Parteien argumentativ zu einzuwerben.

Warum sind Sie dennoch diesen Weg gegangen?

Kilian:

Bereits im Jahr 2009 habe ich als Parteiloser für das Amt des Bürgermeisters in Geisenheim kandidiert und bei damals vier Bewerbern im ersten Wahlgang mit 67% eine große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für mich gewonnen. Dass es in den folgenden Jahren gelang, mit Sachargumenten thematisch zu überzeugen, die Gremien damit hinter mich zu bringen und mit ihnen vertrauensvoll und erfolgreich zusammenzuarbeiten, wurde dadurch bewiesen, dass ich 2016 ohne Gegenkandidat mit 86% wiedergewählt worden bin. Dies bestätigte mich in meiner Auffassung, parteilos zu bleiben. Ich konnte im Rahmen meiner Landratskandidatur auf die Erfahrungen in Geisenheim verweisen und damit offensichtlich Parteien und Wählergruppen überzeugen.

Ich bin es gewohnt, mir bei den Sachthemen – mit Unterstützung einer guten Verwaltung – unabhängig und vorurteilsfrei eine eigene Meinung zu bilden und diese in die Diskussion mit den Gremien einzubringen. Ich möchte dies auch künftig tun und freue mich, dass ich im Kreishaus ebenfalls auf eine gute Verwaltung bauen kann.

ULI:
In  Geisenheim, wo Sie als parteiloser Bürgermeister im März 2016 in Ihre zweite Amtsperiode gewählt worden waren, konnte man erleben, daß Sie ein Mensch sind, der keine parteipolitischen Berührungsängste hat und sachorientiert Allianzen sucht, um das bestmögliche Ergebnis für die jeweilige Frage- oder Problemstellung zu finden.

Auf der Wahlparty in Ihrer Heimatstadt Geisenheim sagten Sie Ihren Anhängern, die Sie sicherlich mit einer Träne im Knopfloch in den Kreis ziehen sehen: „Ich bin ja nicht weg, ich bin nur woanders.“

Inwieweit erwarten Sie, daß sich dieser nüchterne Pragmatismus auch auf Kreisebene fortsetzen läßt?
Und an welchen Stellen stellen Sie sich auf Hürden oder Widerstände ein, die sich womöglich aus der Tatsache ergeben, daß neben den Kreisbelangen aller auch die jeweiligen kommunalen Belange der einzelnen Gemeinden im Hintergrund „mitschwingen“?

Kilian:

An meine neue Aufgabe gehe ich optimistisch, aber nicht blauäugig heran.
Natürlich wird es Hürden geben, sei es, weil es bei einzelnen Themen unterschiedliche politische Strömungen gibt, sei es, weil es auf die Ebenen bezogen unterschiedliche Interessen gibt. Letztendlich müssen die Vorlagen, die ich einbringe, inhaltlich fundiert, rechtskonform und finanziell abgesichert sein. Dann wird man sie objektiv schwer ablehnen können.

Dort, wo politische oder ideologische Beschlüsse gefasst werden, bin ich in der Lage, sie professionell umzusetzen, auch wenn sie nicht meiner Überzeugung entsprechen. Das ist Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Von Unabhängigen zu Unabhängigem dankt die ULI dem designierten Landrat Frank Kilian für diese Stellungnahmen
und das zu erwartenden Engagement zum Wohle und der (weiteren) Steigerung der Lebensqualität aller im RTK.

ULI dankt der Waas.schen Fabrik Geisenheim für die Erlaubnis, die Fotos zwei und drei auf dieser Seite zu verwenden. Das Copyright verbleibt bei der Waas.schen Fabrik Geisenheim.

Landratswahl am 5. Februar 2017

Am kommenden Sonntag, 05.02.2017 wird der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises gewählt. Es kandidieren für das Amt: Andreas Monz (CDU) aus Taunusstein, Benno Pörtner (DIE LINKE) aus Hünstetten und Frank Kilian (parteilos) aus Geisenheim.

Die Wahlzeit beträgt sechs Jahre. Aktuell gibt es im Rheingau-Taunus-Kreis ca. 150.000 Wahlberechtigte. Die Wahllokale sind am Wahltag zwischen 8.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann. Geschieht dies nicht im ersten Wahlgang ist eine Stichwahl erforderlich, die auf den 19. Februar 2017 terminiert ist.

Im Kreishaus in Bad Schwalbach, Heimbacher Straße 7, wird es am Wahltag wieder eine Wahlparty geben. Hier kann ab 18.00 Uhr in der Cafeteria die Auszählung der Stimmen im Liveticker mit verfolgt werden.

Die ULI wird Frank Kilian die Daumen drücken, daß beim ihm am Ende des Wahltages 50+ zu buchen stehen.

 

Quelle: Rheingau Taunus Kreis

Die Causa „Flüchtlingsunterkünfte“ – Intermezzo

So lautstark die Thematik „Trägerschaft der Flüchtlingsunterkünfte“ vor 10 Tagen durch die Medien getragen wurde, so still ist es nunmehr dazu in der Öffentlichkeit – was insofern etwas verwundert, als die im Wortsinne entscheidende Bürgermeisterdienstversammlung zwischenzeitlich mehrere Tage in der Vergangenheit liegt. War zunächst seitens der CDU offenbar versucht worden, die – noch nicht entschiedene Thematik – im Landratswahlkampf zu nutzen, um den unabhängigen Kandidaten Frank Kilian zu beschädigen, so fragt sich der geneigte Leser nunmehr, in welche Richtung die Entscheidung letztlich ging, daß man so gar nicht mehr darüber sprechen mag.

Selbstbestimmtes Wohnen - einer der Schlüssel zu gelingender Integration

Aber wie auch immer entschieden sein worden mag, die ULI ist der Überzeugung, daß Integration letztlich nur gelingen kann, wenn drei ganz grundsätzliche Bausteine vorhanden sind: erfolgreicher Spracherwerb, selbstbestimmtes Wohnen und Erwerbsarbeit.

Während wir also darauf warten, die Entscheidung über die Trägerschaft der Flüchtlingsunterkünfte zu erfahren, nutzt die ULI inzwischen gerne dieses Blog, um die Wohnungssuche dreier anerkannter syrischer Flüchtlinge zu unterstützen – und ihnen damit hoffentlich dabei zu helfen, den zweiten der o.g. Grundsteine für ihr integriertes Leben bei und mit uns zu legen:

Die Flüchtlingshilfe Idstein benötigt dringend Ihre Unterstützung beim Finden einer Wohnung in Idstein.

Die Flüchtlingshilfe unterstützt durch Paten Flüchtlinge, deren Status jetzt anerkannt ist und die zum 31. März ein Zuhause suchen.

Es handelt sich um drei Männer (Elektro-Ingenieur, BWLer und ein Verfahrenstechniker), die bereits engagiert einen Integrations-Deutschkurs besuchen und auch sonst offen für und interessiert an der deutschen Kultur sind. Ihre Familien leben zur Zeit in südeuropäischen Zeltlagern.

Bitte melden Sie sich, wenn Sie eine 1-2 Zimmer-Wohnung anbieten oder vermitteln können.

 Vielen Dank!

Mail an Flüchtlingshilfe Idstein Ute Schmidt